Ein paar Tage Heimatluft
Juni 5, 2008
Ich war fast eine Woche daheim.
Oma hatte Geburtstag. Ich habe drei Tage die Schule geschwänzt und mir dafür Familienleben gegönnt.
Ein bisschen komisch war es schon. So still daheim. So wenig Pfoten. An den ersten zwei Tagen habe ich es vermieden, den Garten aufzusuchen. Aber dann bin ich doch gegangen und habe nach Spuren gesucht. Es gab keine. Meine Mutter mag keine Holzkreuze. Es wären ja inzwischen auch ziemlich viele.
Das von meiner süßen Lilly ist nach drei Jahren entfernt worden. Susie und Nora haben keines bekommen. Für Nora soll es bald Wildrosen geben. Auf Lillys Grab blühen wieder diese riesigen, hohen Blumen mit langen grünen Blättern. Sie ist früher immer darunter herum gehoppelt, bevor sie sich zwischen der Petersilie eingegraben hatte. Ich hoffe, Susie bekommt auch ein paar Blumen. Schwertlilien würden mir gefallen. Für meine Tigerlilly eben. Ich habe immer, wenn ich Tigerlilly in Peter Pan sah, den Vergleich zu Susie gezogen. Sie hatte den gleichen stolzen Blick und die ruhige Ausstrahlung. Eine wilde Prinzessin.
Es ist ein wenig schade, dass Mohrle und Strolch keinen Ort haben. Jedenfalls keinen richtigen. Am Teich musste ich viel an Strolch denken. Überall sind jetzt Fische drin. Das wäre ein Festmahl für ihn gewesen. Zehn Jahre lang hat er die Teiche bei uns leergefischt. Und jetzt haben wir sogar einen kleinen Goldfisch, von dem alle sagen, er hätte Angst zu tauchen. Er wird Nemo genannt. Es ist merkwürdig, aber er scheint wirklich Angst vor tiefem Wasser zu haben. Nur am Rand in der kleinen Rinne schwimmt er. Am liebsten jedoch im vielleicht zwei Zentimeter tiefen Wasser über den Blumentöpfen. Das wäre ein leichtes Ziel für Strolchi geworden.
Die Nachbarn haben Caros elften Geburtstag gefeiert. Sie sprechen, seitdem Nora gegangen ist, viel davon, was passiert, wenn Caro stirbt. Der Nachbar will ihn einfrieren lassen, wenn es in seiner Abwesenheit passiert. Damit er sich richtig von ihm verabschieden und ihn ordentlich beerdigen kann.
In der Familienpolitik ist es mal wieder ganz interessant. Ich bin sehr froh, dass ich nur stiller, weit entfernter Beobachter bin. Und zugleich still schmunzeln kann, weil ich schon als Kind offenbar genau das richtige Gefühl hatte, wie wer so drauf ist. Meine kindlichen Weisheiten bewahrheiten sich jetzt. Es hat lange gedauert, aber sie erkennen es allmählich.
Und zu meiner äußersten Zufriedenheit wurde mir einmal mehr versichert, dass manche Urteile wesentlich gerechter gefällt werden, als es ein Mensch je könnte. Ich sollte vielleicht nicht diese Schadenfreude dabei empfinden. Es ging dieses Mal doch merklich über das befriedigende Gefühl der Genugtuung hinaus. Aber so wenig, wie ich mir damals Hass erlaubt habe, möchte ich mir jetzt Mitleid erlauben. Ich glaube einfach weiter, dass alles gerecht geregelt wurde.
Für alles, was jetzt noch ist, ist nur mein verkorkster Charakter aus Dogmen, Glaubensgrundsätzen, Weltansichten und Gefühls- und Erfahrungswerten allein zuständig. Und das werde ich mit Sicherheit auch noch in den Griff bekommen!